Burgenland – Nicht ganz so ruhig

Mit einem Portrait über das facettenreiche Burgenland starten wir unsere neue Beitragsreihe, im Rahmen derer wir Ihnen die neun Bundesländer Österreichs etwas genauer vorstellen wollen. Wir haben für Sie die interessantesten Fakten, schönsten Plätze und spannendsten Veranstaltungen des Jahres zusammengesucht und hoffen so, Ihnen ein wenig Inspiration und Vorfreude auf den Sommer zu schenken.

Im Burgenland, da gibt’s nichts, witzelt man gerne im restlichen Österreich. Das jedoch ziemlich unberechtigterweise: Auf einer Reise durch den vermeintlichen Hinterwald finden sich romantische Landschaften, einige der schönsten Festungsanlagen des Landes und jede Menge kultureller Highlights.

IDYLLISCHES GRENZLAND

Das Burgenland ist das östlichste und – gemessen an der Einwohnerzahl – kleinste Bundesland Österreichs. Als schmaler Landstreifen (bei Sieggraben nur ca. 4 km breit) grenzt es im Norden an Bratislava (Slowakei), im Osten an Ungarn, im Süden für wenige Kilometer an Slowenien und im Westen an die Steiermark und Niederösterreich. Das Gebiet gehörte einst zum Königreich Ungarn, wurde jedoch 1920 gezwungenermaßen an die neue Republik Österreich abgetreten und im Folgejahr als Bundesland angeschlossen. Die Lage als geographisches und kulturelles Grenzland prägt die Region seit jeher: Über die Jahrhunderte hinweg diente das Burgenland immer wieder als Aufmarsch, Durchzugs- und Fluchtgebiet sowie als Teil wichtiger Handelskorridore wie der Bernsteinstraße. Heute zeugen neben oftmals zweisprachigen Ortstafeln ein reges Volksbrauchtum der kroatischen und ungarischen Minderheiten, sowie der Minderheit der Roma und Sinti von der kulturell vielschichtigen Zusammensetzung des Bundeslandes. 6% der Burgenländer*innen sprechen Burgenlandkroatisch – das sind immerhin 18.000 Menschen.

Das Landschaftsbild des Burgenlandes zeigt sich bei genauerem Hinsehen als weit weniger eintönig als vielleicht erwartet. Im Norden erstreckt sich das Flachland der pannonischen Seenplatte, auf 114m Seehöhe befindet sich hier der tiefste Punkt Österreichs. Der Neusiedler See – einer der wenigen Steppenseen in Europa und der größte abflusslose See in Mitteleuropa – zeichnet sich durch seinen Schilfgürtel, seine einzigartige Flora und Fauna und sein mildes, aber windiges Klima aus. Der grenzüberschreitende Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel bietet Lebensraum für fast 300 Vogelarten, die auf geführten bird-watching Touren beobachtet werden können. Im Süden deuten sich die Ausläufer der Alpen an, in der „buckligen Welt“ strecken sich tausende malerisch-sanfte Hügel durch Landschaft. Etwas mehr Steillage findet man am 884m hohen Geschriebenstein: der höchste Berg des Bundeslands bietet zahlreiche Wandermöglichkeiten und ein 360° Panorama vom Schneeberg bis zur ungarischen Tiefebene. Auf über 5000km gut ausgebauten Radwegen lässt sich die idyllische Landschaft des Burgenlands übrigens auch gut im Fahrtwind genießen.

Fotocredits: Burgenland Tourismus GmbH, Unsplash/Dimitry Anikin

APROPOS GENIESSEN

Über 2000 Stunden an mindestens 300 Tagen im Jahr scheint im Burgenland die Sonne, was das Bundesland im Jahresmittel auf warme 12,2°C aufheizt (der Österreichschnitt liegt bei 8,5°C). In diesem kontinental-heißen pannonischen Klima gedeihen im nahezu gesamten Burgenland körperreiche Rotweine und kräftige Weißweine. Ob in den zahlreichen Vinotheken, beim Weinwandern oder beim Urlaub auf dem Winzerhof – Vinophile kommen garantiert auf ihre Kosten. Auch die Burgenländer*innen selbst sind wohlgeübt im Genießen: Ein Blick auf die Statistik zeigt, im Burgenland trinkt man täglich etwa 44g Reinalkohol – der Österreichschnitt liegt bei 26,4g. 

Bereits 1955 wurden unter dem Neusiedler See auf einer Fläche von 250 km² die größten Mineralwasservorkommen Europas entdeckt: Thermalbäder wie die Thermen St. Martins Therme & Lodge, Lutzmannsburg, Stegersbach und Bad Tatzmannsdorf laden noch heute zur heilenden Entspannung ein. Am Rande bemerkt: Nicht nur Touristen, sondern auch Zugvögel setzen in Aussicht auf die versprochenen Sonnenstunden bei der Wahl ihrer Sommerresidenz aufs Burgenland: Bis Mitte April landen bis zu 120 Storchenpaare zur Brut im Land; vor allem in der „Storchenstadt“ Rust kann man die Boten des Frühlings in ihren charakteristischen Nestern beobachten.

NICHT NICHTS LOS

Im Burgenland gibt es einiges zu sehen: In der „Perle des Barock“ Eisenstadt und deren Wahrzeichen Schloss Eszterházy gewinnt man Einblick in das glanzvolle Leben am Hofe der Fürsten Esterházy. Die Burg Güssing im Südburgenland lockt auf einem erloschenen Vulkankegel stehend mit einer beeindruckenden Aussicht auf die pannonische Ebene. Auch Burg Lockenhaus, Burg Schlaining oder Burg Forchtenstein sind beeindruckend gut erhaltene Zeugen mittelalterlicher Geschichte. An der Kuruzzenschanze in Parndorf sieht man bis heute die Spuren blutiger Auseinandersetzungen, der Kreuzstadl in Rechnitz ist ein sehenswertes Mahnmal überregionaler Gedenkkultur.

Für ein derart kleines Land erfreut sich das Burgenland zudem einer ungemein großen Festspiel- und Musiktradition. An über 100 Tagen im Jahr finden im Haydnsaal im Schloss Eszterházy – der aufgrund seiner hervorragenden Akustik übrigens zu den besten Konzertsälen der Welt zählt – Konzerte statt, unter anderem die Konzertreihe classic.Esterhazy und Konzerte des HERBSTGOLD-Festivals. Kulturveranstaltungen wie die Seefestspiele Mörbisch, die Opernfestspiele im Römersteinbruch Sankt Margarethen, die Schloss-Spiele Kobersdorf, das Liszt-Festival Raiding, Burgspiele & Kultursommer Güssing, der Festivalsommer Jennersdorf oder das Europa-Symposium Kaisersteinbruch mit den Kaisersteinbrucher Konzerten ziehen jährlich zahlreiche Kulturliebhaber*innen in die Region. Seit 2016 finden in Eisenstadtregelmäßig Jazz- und Rockfestivals statt, Nickelsdorf beherbergt jedes Jahr im Juni Österreichs größtes Rock-Festival, das „Nova Rock“.

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