55 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Österreich und China

Im Jahr 2026 feiern Österreich und die Volksrepublik China ein bedeutendes Jubiläum: den 55. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Österreich gehörte zu den europäischen Ländern, die das Potenzial einer Zusammenarbeit mit China früh erkannten.

Text von Dr. Heinz Fischer

Seit der offiziellen Aufnahme der Beziehungen im Jahr 1971 hat sich die bilaterale Kooperation Schritt für Schritt ausgebaut. Heute arbeiten beide Staaten in zahlreichen Bereichen eng zusammen – darunter Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Bildung und Tourismus. Besonders im wirtschaftlichen Bereich haben sich die Beziehungen dynamisch entwickelt. China ist inzwischen einer der wichtigsten Handelspartner Österreichs in Asien, während österreichische Unternehmen mit ihrer Innovationskraft und technologischen Expertise erfolgreich auf dem chinesischen Markt tätig sind. Gleichzeitig investieren chinesische Unternehmen zunehmend in Europa und auch in Österreich, was neue Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung schafft. Jetzt genießen Österreich und China eine stabile strategische Partnerschaft.

Auch im kulturellen Austausch spielt die Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und akademische Kooperationen tragen dazu bei, das gegenseitige Verständnis zwischen den Menschen beider Länder zu vertiefen. Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten verstärkt zusammen, wodurch junge Generationen beider Länder miteinander in Kontakt treten und voneinander lernen.

Darüber hinaus verbinden Österreich und Chinagemeinsame Interessen an globaler Zusammenarbeit. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit – vom Klimawandel über nachhaltige Entwicklung bis hin zur Sicherung von Stabilität und Frieden – gewinnt der Dialog zwischen Ländern unterschiedlicher Kulturen und Gesellschaftssystemen zunehmend an Bedeutung.

Rückblickend bietet dieses Jubiläum nicht nur Anlass, die Entwicklung unserer bilateralen Zusammenarbeit zu würdigen, sondern auch innezuhalten und an Persönlichkeiten zu erinnern, die mit ihrem Engagement wesentlich zum Aufbau dieser Beziehungen beigetragen haben. Zu diesen Persönlichkeiten gehört auch Dr. Jakob Rosenfeld, ein österreichischer Arzt, der während des Zweiten Weltkriegs neun Jahre in China medizinische Hilfe leistete. Sein Einsatz steht beispielhaft für humanitären Geist und internationale Solidarität.

Ebenso verdient Gertrude Wagner große Anerkennung. Sie ist in China bekannt für „Verheiratet mit China“ und ist ein Symbol für Liebe, Familie und Freundschaft zwischen Österreich und China.  Auch der österreichische Unternehmer Dr. Helmut Sohmen hat durch seine internationale Tätigkeit und sein Engagement für wirtschaftliche und kulturelle Kooperationen dazu beigetragen, Brücken zwischen Österreich und China zu stärken.

Nicht zuletzt denke ich an Dr. Gerd Kaminski, einen der profiliertesten Kenner Chinas in Österreich. Mit seinem jahrzehntelangen Einsatz in Wissenschaft, Kultur und im Dialog zwischen unseren Gesellschaften hat er das Verständnis für China in Österreich nachhaltig geprägt.

Solche Persönlichkeiten erinnern uns daran, dass internationale Beziehungen nicht nur durch staatliche Institutionen entstehen, sondern vor allem durch Menschen, die bereit sind, sich für Verständigung, Austausch und Zusammenarbeit einzusetzen.

Auch ich selbst hatte über viele Jahre hinweg die Gelegenheit, die Entwicklung der österreichisch-chinesischen Beziehungen in unterschiedlichen Funktionen zu begleiten – als Abgeordneter, als Minister, als Präsident des Nationalrates und später als Bundespräsident der Republik Österreich. Heute ist es mir eine Freude, als Präsident der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft (ÖGCF) nach besten Kräften zur Pflege dieser Beziehungen beizutragen.

Österreich und China haben in den vergangenen 55 Jahren gezeigt, dass gegenseitiger Respekt, Offenheit und kontinuierlicher people-to-people Austausch eine solide Grundlage für Zusammenarbeit bilden können.

Mit Zuversicht blicke ich auf die kommenden Jahre. Mögen Österreich und China auch in Zukunft partnerschaftlich zusammenarbeiten und damit einen Beitrag zu Frieden, Stabilität und gegenseitigem Verständnis in unserer Welt leisten.