Artenschutz mit Charmefaktor

Die Großen Pandas sind die unbestrittenen Publikumslieblinge des Tiergartens Schönbrunn. Diplomatic SOCIETY hat mit Tiergartendirektor Dr. Stefan Hagenbeck über das Artenschutzprojekt gesprochen.

Seit 2003 ist der Tiergarten Schönbrunn Teil der Forschungskooperation mit der China Wildlife Conservation Association, die 2024 um zehn Jahre verlängert wurde. Im Zuge dessen ist im Mai 2025 das neue Große Panda Pärchen in Schönbrunn eingezogen. Welche Bedeutung hat diese Kooperation für den Artenschutz dieser bedrohten Tiere?

Die Zusammenarbeit mit der China Wildlife Conservation Association ist für den Schutz der Großen Pandas von zentraler Bedeutung. Seit Beginn der Kooperation im Jahr 2003 konnten 27 neue Panda-Reservate in China errichtet und damit deren Zahl fast verdoppelt werden. Unser finanzieller Beitrag fließt zu etwa 60 Prozent direkt in den Schutz in der Wildbahn, 30 Prozent in Forschungs- und Erhaltungsarbeit in den Panda-Stationen, und 10 Prozent werden für den administrativen Aufwand unserer chinesischen Partner eingesetzt. Nur wer die Tiere kennt und erlebt, kann sie auch schützen – daher spielt Edukation eine ebenso große Rolle. Die Pandas in Schönbrunn sind Botschafter ihrer Artgenossen, ein Symbol der Freundschaft zwischen Österreich und China und ein Beispiel für eines der erfolgreichsten internationalen Schutzprojekte. Die letzte Zählung des chinesischen Forstamtes, veröffentlicht im Jahr 2015, hat ergeben, dass dank der Schutzbemühungen wieder 1.864 Große Pandas in den Bergwäldern im Südwesten Chinas leben. Damit gilt der Große Panda auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN nicht mehr als „stark gefährdet“, sondern nur noch als „gefährdet“. Durch die Errichtung der Reservate werden gleichzeitig aber auch viele andere Tierarten geschützt, die vielleicht weniger bekannt und charismatisch, aber genauso wichtig sind – deshalb sind Große Pandas eine wichtige Flaggschiffart.

Wie sieht die chinesisch-österreichische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet aus?

Die Zusammenarbeit basiert auf mehreren Säulen. Zunächst tauschen wir regelmäßig Erfahrungen in der Tierhaltung, veterinärmedizinischen Prophylaxe, im Bereich Wiederansiedlungsprojekte und in der Edukation aus. Ein weiterer Schwerpunkt ist die gemeinsame Medienarbeit: Durch Berichte, Videos und Veranstaltungen möchten wir möglichst viele Menschen für den Großen Panda und seinen Schutz sensibilisieren. Schließlich geht es auch um den kulturellen Austausch – bei gemeinsam organisierten Events vermitteln wir die Traditionen und das Brauchtum beider Länder, sodass die Kooperation über wissenschaftliche Aspekte hinaus auch Freundschaft und gegenseitiges Verständnis zwischen China und Österreich sichtbar macht. Diese Kombination aus Forschung, Artenschutz, Edukation und kultureller Vernetzung macht die Zusammenarbeit besonders erfolgreich und nachhaltig.

Wie haben sich Lan Yun und He Feng inzwischen eingelebt? Wann kann man mit Nachwuchs bei dem neuen Große Panda Pärchen rechnen?

Die beiden haben sich sehr gut eingelebt und fühlen sich sichtlich wohl. Sie nehmen die Klettermöglichkeiten, Badebereiche und Plattformen gut an und haben auch schnell Vertrauen zu ihrem Pflegerteam aufgebaut. Und besonders wichtig: Der Bambus schmeckt ihnen sehr. Wir haben hier auch in den Bereich Nachhaltigkeit investiert. Die zooeigene Bambusplantage im Burgenland deckt mittlerweile 60 Prozent des Bedarfs ab. Im Sommer werden sie sechs Jahre alt, und wir hoffen, dass in den kommenden zwei Jahren erste Paarungsversuche erfolgen. Wenn die Chemie stimmt, könnten wir uns also schon bald über Panda-Nachwuchs freuen.

Was macht, Ihrer Meinung nach, den besonderen Charme der Großen Pandas aus, die ja ein großer Publikumsmagnet des Tiergarten Schönbrunns sind?

Der Charme der Großen Pandas liegt in ihrer Kombination aus Erscheinung und Verhalten. Ihr rundliches, gemütliches Aussehen, die markante Schwarz-Weiß-Färbung und die unverwechselbare Gesichtszeichnung ziehen Besucherinnen und Besucher jeden Alters sofort in ihren Bann. Hinzu kommt ihr Verhalten: Fressen, Schlafen und Erkunden – alltägliche Tätigkeiten, die wir nachvollziehen können. Zoologisch sind sie besonders. Sie sind die einzigen Bären, die dank ihres Pseudodaumens den Bambus greifen können und im Sitzen fressen. All das wirkt faszinierend. Dadurch werden die Pandas nicht nur zu Publikumslieblingen, sondern auch zu wichtigen Botschaftern für ihre bedrohten Artgenossen in der Wildbahn. Sie symbolisieren den Erfolg von Artenschutzprojekten und machen deutlich, wie internationale Zusammenarbeit das Überleben gefährdeter Arten sichern kann.