Königin Sirikit war Österreich sehr verbunden

von Mag. Hermine Schreiberhuber

Die jüngst verstorbene thailändische Königin Sirikit hatte einen engen persönlichen Bezug zu Österreich. Abgesehen von Staatsbesuchen beider Seiten, die schon einige Jahrzehnte zurückliegen, weilte die kunstsinnige Monarchin auch ohne ihren Gemahl König Bhumibol mehrmals in Österreich. Ein Höhepunkt war die Ausstellung „700 Jahre Thailand“ in Wien, die Sirikit 1993 persönlich eröffnete.

Sirikit reiste damals aus den USA an, wo sie an der Georgetown University in Anerkennung ihres Engagements für die Armen als „Woman of the Year“ geehrt worden war. Das thailändische Kunsthandwerk war der Königin immer ein großes Anliegen. In Bangkok ließ sie Kinder aus armen Familien in Seidenspinnerei ausbilden. Zur Wiener Ausstellung brachte sie Gold- und Silberobjekte aus dem Kronschatz mit.

In der Hofburg wurde Sirikit von Bundespräsident Thomas Klestil und dessen Frau Edith zu einem feierlichen Essen empfangen. Spontan erhob die Königin, in kostbare Thaiseide gehüllt, ihr Glas „auf die Freundschaft unserer Völker“. Vor der Jubiläumsausstellung hatte sie ein kleines touristisches Programm absolviert, einschließlich eines Heurigenbesuchs in Grinzing.

Nach Wien wurde Sirikit von ihrer ältesten Tochter sowie vom ehemaligen Premierminister General Prem Tinsulanonda begleitet. Dieser hatte seinerseits zu Zeiten von Bruno Kreisky Wien besucht. Die Ausstellung in der Bundeshauptstadt bildete den Abschluss der Feierlichkeiten anlässlich des 60. Geburtstags der Monarchin. Im Jahr zuvor hatte sich Sirikit einige Tage in Salzburg aufgehalten.

Staatsbesuche 1964 und 1995

Im Jahr 1964 stattete König Bhumibol Adulyadej (Rama IX) mit seiner Gemahlin Österreich einen Staatsbesuch ab. Erst rund 30 Jahre später, 1995, reiste Bundespräsident Klestil zu einer offiziellen Visite nach Thailand. Anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums des Königs ging 1996 in Wien ein festliches Konzert besonderer Art über die Bühne: Kompositionen des passionierten Musikers Bhumibol wurden aufgeführt.

König Bhumibol starb 2016 nach 70-jähriger Regierungszeit an der Spitze der thailändischen Monarchie. Königin Sirikit war zeitlebens an der Seite ihres Mannes, den sie seinerzeit in Paris kennenlernte. Die Tochter eines Diplomaten, der selbst der Chakri-Dynastie entstammte, wurde zu einer überaus populären Monarchin. Sie gebar König Bhumibol vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn, den heutigen König Vajiralongkorn.

Sirikit starb im Alter von 93 Jahren im King Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok. Die Königinmutter erfreute sich bis zuletzt großer Wertschätzung in der Bevölkerung. Sie engagierte sich für soziale Projekte und Anliegen der Frauen. Sirikits Geburtstag, der 12. August, wurde zum Feiertag erklärt, zugleich wurde in Thailand an diesem Tag Muttertag gefeiert.

Österreichisch-thailändische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen erfuhren auf Regierungsebene in den letzten Jahren einen Aufschwung. 2022 wurde ein Memorandum of Understanding zur Entwicklung der wirtschaftlichen und technischen Kooperation unterzeichnet – mit Schwerpunkten u.a. in Automobilindustrie, Tourismus, Biolandwirtschaft, Startups und Automatisierung. Ein weiteres Memorandum betraf die Kooperation bei der Berufsausbildung. Im Februar 2025 trafen hohe Beamte in Bangkok zu ersten institutionalisierten politischen Konsultationen zusammen.

Kaiser Franz Joseph empfing 1897 Vorfahren Bhumibols

Enge Beziehungen zwischen Österreich und Siam wurden bereits im 19. Jahrhundert auf der Ebene der regierenden Herrscherhäuser der Habsburger und der Chakri-Dynastie gepflegt. 1897 hatte Bhumibols Großvater Chulalongkorn Kaiser Franz Joseph einen Besuch abgestattet. 1964 kam Bhumibol nach Wien, einige Jahre später erwiderte Bundespräsident Franz Jonas den Besuch. Königin Sirikit wurde zu einem wichtigen Bindeglied.