Astana: Klimagipfel

Astana, die moderne Hauptstadt der Republik Kasachstan, war vom 22.-24.  April Schauplatz eines höchstrangig besetzten zentralasiatischen Umwelt- und Klimagipfels. Auf Einladung des kasachischen Staatspräsidenten Kassym-Jomart Tokayev trafen sich die Präsidenten von Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Turkmenistan im lichtdurchfluteten, architektonisch bemerkenswerten Kongresszentrum der Hauptstadt. Auch die Präsidenten der Partnerländer Aserbaidschan, Georgien und der Mongolei waren angereist.

Beitrag von Robert Stoppacher

Hauptthema waren die Perspektiven der Zusammenarbeit in diesem asiatischen Großraum, der ja ganz besonders von der globalen Erwärmung, von Klimakatastrophen und Umweltschäden betroffen ist. Als Symbol dafür kann der Aral-See herangezogen werden, der sowohl zu Kasachstan, als auch zum südlichen Nachbarn Usbekistan gehört. Dieser See war einst der viertgrößte Binnensee der Erde, und mit seiner Ausdehnung fast so groß wie ganz Österreich. Heute gibt es das einstige Naturparadies an der ehemaligen Seidenstraße praktisch nicht mehr. Steppe und Wüste haben sich ausgedehnt, der Klimawandel sowie fehlgeleitete Umweltpolitik in der Sowjetzeit haben den See austrocknen lassen. Noch nicht vollständig, es haben sich ein nördlicher und ein südlicher kleinerer See gebildet, der offenbar nicht mehr zu retten ist. Das bestätigte auch Askhat Orazbay, Vorsitzender des Exekutivkomitees des internationalen Fonds zur Rettung des Aral-Sees. Vor Journalisten am Rande des Gipfels drückte der Experte aber die Hoffnung aus, dass zumindest der zu Kasachstan gehörende Nordteil noch eine Chance hat. Mit dem Projekt „Nördlicher kleiner Aral-See“ will man den dortigen Staudamm modernisieren und damit den Wasserspiegel anheben. Mehr Wasser soll den Salzgehalt im See verringern. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass das Leben von Mensch und Tier hier wieder möglich wird. Nicht ganz so dramatisch stellt sich die Situation weiter westlich, am Kaspischen Meer, dar, das sich unter anderem mit dem russischen Stör und der entsprechende Kaviarproduktion einen Namen gemacht hat. Aber auch hier sinkt des Wasserpegel seit Jahren kontinuierlich, zahlreiche Tierarten sind stark bedroht oder bereits ausgestorben.

Genügend Herausforderungen also für die Staaten Zentralasiens und der angrenzenden Regionen. Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan haben daher eine Erklärung über grenzüberschreitende Zusammenarbeit verabschiedet. Gemeinsam will man Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels, gegen Wassermangel und die Ausbreitung der Wüsten, gegen Luftverschmutzung und Plastikbelastung, sowie gegen das Zurückgehen der Gletscher setzen.

„Ökologische Solidarität in Zentralasien“, nannte das der kasachische Präsident Tokyev in seiner Ansprache vor den Delegierten. Offen ist noch die Finanzierung der entsprechenden Projekte. Erste Signale gab es von seiten der anwesenden Vertreter der Europäischen Union. 4,8 Milliarden Euro sollen in konkrete Initiativen zum Schutz des Wassers und zur Abwehr der Folgen des Klimawandels fließen.  Weitere Unsterstützung erwarten sich die betroffenen Länder durch internationale Finanzorganisationen, um die großen Herausforderungen stemmen zu können.