Die Geschichte einer Freundschaft

Die Städte Klagenfurt und Duschanbe verbindet seit 49 Jahren eine Städtepartnerschaft, SOCIETY sprach mit dem Klagenfurter Vizebürgermeister Prof. Mag. Alois Dolinar über die engen Bande der beiden Metropolen.

Die Städtepartnerschaft zwischen Klagenfurt und Duschanbe wurde 1973 etabliert, noch bevor Tadschikistan überhaupt zu einer unabhängigen Republik wurde. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

Aus der Zusammenarbeit zwischen den Technikern von ÖDK und KELAG mit Ingenieuren aus Tadschikistan, wo sich im Pamir Gebirge größte Speicherkraftwerke befinden, entwickelte sich nach und nach über Vermittlung der damaligen österreich-sowjetischen Gesellschaft ein Kontakt zwischen den Hauptstädten Klagenfurt und Duschanbe. Nach Sondierungsgesprächen auf politischer Ebene wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Städten „zum Zwecke der Förderung engerer Beziehungen zwischen den Bürgern beider Städte im Bereiche der Kultur, der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens sowie des touristischen Verkehrs“ unterzeichnet.

Von Beginn an war die Städtepartnerschaft trotz der Entfernung, sprachlicher und kultureller Unterschiede immer durch Herzlichkeit geprägt. Insbesondere Aktivitäten im Bereiche Kultur wie Besuche und Gegenbesuche von Kindervolkstanzgruppen, Kunst- und Fotoausstellungen, aber auch Bürgerreisen trugen dazu bei, dass die Partnerschaft zwischen Klagenfurt und Duschanbe eine gelebte war und von den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte mitgetragen wurde. Auch in den 90er Jahren, also in jener Zeit, in der die ehemalige sowjetische Republik mit ihrer Hauptstadt Duschanbe durch politische Veränderungen und Unruhen erfasst war, konnten in beiden Städten viele Projekte erfolgreich realisiert werden.

Aufgrund der Veränderungen nicht nur in geopolitischer Hinsicht, sondern insbesondere durch die Globalisierung und die rasante Entwicklung im Bereich der Kommunikations-technologien, aber auch durch Interessensverschiebung sind Projekte, die vor 20 oder 30 Jahren möglich waren, derzeit kaum realisierbar. Auch der Spargedanke, der aufgrund der weltweiten Pandemie in allen Städten großgeschrieben ist, spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Realisierung der städtepartnerschaftlichen Vorhaben. 

Es ist also unsere Aufgabe, eine projektbezogene und zukunftsorientierte Zusammenarbeit, die beiden Städten Vorteile bringt, auszubauen. Wirtschaft, Umweltschutz und Klimawandel dürfen dabei nicht außeracht gelassen werden.

Welche Initiativen gibt es, um den tadschikisch-österreichischen Austausch zwischen den Städten zu fördern, besonders im akademischen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich?

Im Rahmen einer Pressekonferenz mit den offiziellen Vertretern des Außenministeriums, der Stadt Duschanbe und dem Vorsitzenden der Tadschikisch – Österreichischen Freundschaftsgesellschaft, Univ. Prof. Hairullo Sayfulloev, der im Jahr 1994 als Gastprofessor an der Universität Klagenfurt am Entstehen des „Gesprächsbuches Tadschikisch – Deutsch“ federführend mitgewirkt hat, wurden einige Projekte in Erwägung gezogen,  die nach Prüfung finanzieller Möglichkeiten künftig verwirklicht werden könnten. 

Angeregt wurden Zusammenarbeiten zwischen den Universitäten, Schüler – und Stundenaustausche, Deutschkurse an der Universität Duschanbe unter der Leitung der Deutschprofessoren aus Klagenfurt, Vollendung des Tadschikisch – Österreichischen Gesprächsbuches sowie Kunst- und Fotoausstellungen in beiden Städten.

Im Jahr 1989 wurde das erste typisch tadschikische Teehaus im „Park der Kärntner Freiwilligen Schützen“ erbaut. Ist diese Gaststätte momentan für die Öffentlichkeit geöffnet und welche kulinarischen Köstlichkeiten werden normalerweise angeboten? 

Für mich persönlich ist das tadschikische Teehaus – ein offizielles Geschenk der Stadt Duschnabe – ein Kunstwerk!  Wie wir wissen, ist ein Teehaus keine Gaststätte, sondern ein Ort der Begegnung, wo man beim Tässchen Tee nicht nur das Tagesgeschehen, sondern auch die Weltpolitik bespricht. Aufgrund der bei uns herrschenden Witterungsverhältnisse ist die Nutzung dieser „tschojhana“ in Herbst- und Wintermonaten ohne Adaptierung gar nicht möglich. In den Sommermonaten würde sich dieses künstlerische Unikat als Ort, an dem man mit Unterstützung der tadschikischen Community über die Geschichte, Kultur, Musik und Bräuche Tadschikistans mehr erfahren würde, sehr eignen. Im Rahmen solcher Präsentationen könnten beispielsweise auch typische Speisen wie Plov, Sambusa oder Schaschlik gereicht werden. 

Das tadschikische Teehaus wurde bis vor geraumer Zeit von den Gastronomen der „Onkels Tom´s Hütte“ mitbetreut und in den Sommermonaten von den Lokalbesuchern gerne in Anspruch genommen. Serviert wurden allerdings österreichische Speisen. 

(c) Büro VzBgm Dolinar

Es gibt Überlegungen das Teehaus zu sanieren und an einen anderen Standort zu verlegen, inwiefern werden diese Bestreben in die Realität umgesetzt?

Es wird derzeit nach einem passenden Standort gesucht. Bevorzugt werden jene Standorte, die von den Klagenfurterinnen und Klagenfurtern aber auch von Gästen unserer Stadt, gerne besucht werden. Auch die Bereitschaft seitens der Gastronomie, unsere „tschojhana“ mit zu betreuen, wird bei der Suche nach einem neuen Standort mitentscheidend sein. In Anbetracht der prekären Finanzsituation der Stadt, wird derzeit eine kostengünstige Sanierung evaluiert. Hierzu laufen bereits erste Gespräche mit Kooperationspartnern.

Vom 21.-24. März 2022 sind Sie nach Duschanbe gereist um das 50-jährige Jubiläum dieser Freundschaft zu zelebrieren. Von den Feierlichkeiten des „Navruz“-Festivals, der Baumpflanzungszeremonie bis zu dem internationalen Forum, was waren für Sie die Highlights dieses Besuches und welche Eindrücke nahmen Sie mit nach Österreich?

Die unbeschreibliche Gastfreundschaft, die Offenheit und Lebensfreude der Menschen, der innigste Wunsch nach weltweitem Frieden haben mich persönlich sehr beeindruckt.

Man darf nicht vergessen, dass Tadschikistan an Afghanistan grenzt und in den letzten 20 Jahren ein Zufluchtsort für Flüchtlinge war und nach wie vor ist. Der Wille nach einem friedlichen Miteinander ist überall spürbar.

Unvergesslich bleibt aber auch das beliebte Navruz – Fest. Ein hoffnungsvolles Frühlingserwachen mit orientalischer Musik, mit Tanz und Gesang.  Es macht mich auch glücklich, dass die Städtepartnerschaft mit Klagenfurt nicht nur ein Begriff ist, sondern einen besonderen Stellenwert im fernen Tadschikistan hat.

In Nurek, wo das größte Wasserkraftwerk Tadschikistans steht, und wo vor 50 Jahren die ersten Schritte Richtung Städtepartnerschaft gesetzt wurden, fragte mich der Direktor des Werkes wie es um den Fußball in Klagenfurt stehe, ob der KAC wieder Meister geworden sei und wie viele Schiffe die Wörthersee – Flotte derzeit habe. Dieses Gespräch und das große Interesse an Klagenfurt bleiben mir persönlich lange in Erinnerung. Auch der Wunsch nach verstärkter Kooperation mit Klagenfurt kam in allen Fachgesprächen zum Ausdruck. 

Welche (zukünftigen) Anliegen dieser Kooperation sind Ihnen persönlich, als Vizebürgermeister Klagenfurts und Referent der Städtepartnerschaften, besonders wichtig?

Es ist mir wichtig, dass jene Zukunftsprojekte, die in Duschanbe besprochen wurden, in den nächsten Jahren auch umgesetzt werden. Durch die Präsentation Tadschikistans auf der Freizeit Messe im kommenden Jahr, erwarte ich mir eine enge Kooperation im Bereich des Tourismus. Nicht nur Jagden auf das begehrte Marco Polo Schaf oder Trekkingtouren im Pamir Gebirge, sondern auch die Einbindung der Kärntner Wirtschaft bei der Errichtung der notwendigen Infrastruktur, einschließlich der Schilifte im Pamir Gebirge. Auch im Bereich der Lebensmittelindustrie, insbesondere bei Veredelung von Gemüse und Früchten, ist unser Knowhow sehr gefragt. Auch die Möglichkeit einer engen Kooperation bei der Erzeugung von Glasartikeln und Verpackungsmaterialien vor Ort, wird unsererseits überprüft.

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