Länderportrait Frankreich – Die Heimat des Savoir-vivre

Frankreich fasziniert nicht nur mit seiner bewegten Geschichte und einzigartigem (multi-)kulturellen Erbe, sondern auch durch die atemberaubende Natur des Landes.

Geschichte

Erste Aufzeichnungen reichen bis in die Altsteinzeit zurück, allerdings begann die entwickelte Besiedelung um 600 v. Chr., als sich phönizisch-griechische Händler an der Mittelmeerküste niederließen. Die kommenden Jahrhunderte waren von kriegerischen Disputen um die politische und religiöse Machtherrschaft diverser Völker, sowie der finalen gallischen Begründung kultureller, geographischer und gesellschaftlicher Charakteristiken geprägt. Der Feldzug Cäsars gegen die Gallier führte zur Eingliederung in das Römische Reich und prägte fortan die lokalen Sitten. Diese kulturelle Fusion prägte Frankreich identitätspolitisch enorm. Von 1337 bis 1453 tobte der anglofranzösische hundertjährige Krieg, in dem, unter anderem die heutige Volksheldin, Jeanne d´Arc, das Land vor der Niederlage bewahrte und die künftige absolutistische Herrschaft von Ludwig XIV einleitete. Durch seinen Ehrgeiz katapultierte er Frankreich an die kulturelle und militärische Spitze, jedoch hatte er mit seiner Politik die Ressourcen des Landes ausgeschöpft. Dies läutete den Beginn des modernen Frankreichs ein, welcher primär durch die Julirevolution 1789 statuiert worden ist. Politische Unruhen dominierten die Jahre bis zum offiziellen Ende der Revolution, durch den Code Civil de Francais unter Napoleon in 1804 und durchzogen die Zeitspanne bis zur Spaltung in 1940. Das Land teilte sich in zwei Gebiete: das mit den Nationalsozialisten kooperierende Vichy-Regime und die deutsche Belagerungszone. Nach dem 2.Weltkrieg begann die provisorische Regierung unter Charles de Gaulle mit dem Wideraufbau Frankreichs und der Erneuerung politischer Beziehungen. Die im Jahre 1958 festgelegte Verfassung der 5. Republik ist noch heute aktuell.

Gesellschaft und Kultur

Das moderne Frankreich ist ein Schmelztiegel von Kulturen. Vermehrt sind afrikanische, asiatische und europäische Nationalitäten immigriert. Zwar findet man im ganzen Land überwiegend katholische Bräuche, gleichzeitig kam es aber zur Entstehung von religiösen Kleingruppen wie dem Islam und Judentum bei einer steigenden konfessionslosen Lebensweise. Ebenso etablierte sich Frankreich als Heimat vieler renommierter Literaten, Schauspieler, Modedesigner und Künstler, wie Marcel Proust, Dany Boon, Coco Chanel und Claude Monet, schnell zu der europäischen Kunstmetropole des 19. und 20. Jahrhunderts. Noch heute dient das Land als Heimat einiger anerkannter Schriftsteller und Filmemacher, welche sich vom „Le savoir-vivre“ inspirieren lassen und auch ein internationales Publikum zu begeistern wissen. Besonders bedeutungsvoll ist die französische Filmografie, welche weltweite Anerkennung genießt und jährlich auf dem internationalen Filmfestival in Cannes präsentiert wird. Popkulturell dominiert Frankreich in der Comicszene, beispielsweise durch Astérix le Gaulois, sowie mit der florierenden Modebranche, welche beachtlichen Einfluss auf die zeitgenössische Selbstinszenierung hat. Nicht wegzudenken bei einem Frankreichbesuch sind die kulinarischen Köstlichkeiten der „cuisine française“, welche mit regionalen Delikatessen wie Baguette, Lamm, Fisch, Camembert und Rotwein zu einem ausgiebigen lukullischen Erlebnis einladen.

Sehenswürdigkeiten und Natur

Frankreichs Landschaft ist so vielfältig wie seine Einwohner. Im Südosten erstrecken sich die prächtigen französischen Alpen von der Côte d’Azur, über den Mont-Blanc, bis zum Genfer See. Geziert wird das geographische Spektakel durch Gletscherkuppen und sanfte Täler, welche nicht nur zum Wintersport, sondern auch zum Flanieren, Schwimmen und Wandern einladen. Die Loire-Region öffnet ein Portal in die Vergangenheit, wo über 400 Schloss- und Burganlagen die Landschaft säumen und den vergangenen Adel aufleben lassen. Im Westen erstreckt sie sich bis zum reißenden Atlantik mit seinen Inseln, deren Sandstrände zu erfrischenden Bädern verlocken. Die zauberhafte Schönheit des Süden Frankreichs mit seinen von Lavendelfeldern gesäumten Hängen, dem mediterranen Ambiente der Küstenstädte Nizza, Cannes und Marseille sowie der unberührten Natur der Pyrenäen lockt zahlreiche Besucher an. Die Hauptstadt Paris im Norden des Landes, ist das politische und kulturelle Zentrum Frankreichs. Bei einem Spaziergang entlang der Seine kann man das wohl berühmteste Wahrzeichen der Stadt, den Tour Eiffel besichtigen, sowie das renommierte Museum, den Louvre – die Heimat vieler Kunstobjekte, darunter der Mona Lisa und der Venus von Milo – bestaunen. Die Avenue des Champs-Élysée verbindet den Place de la Concorde mit dem Arc de Triomphe de l’Étoile, welche durch ihre historisch-politische Signifikanz an die kriegerische Vergangenheit erinnern sollen.

Facts in Brief

  • Ländername: Republik Frankreich
  • Hauptstadt: Paris Fläche: 632.834 km², davon ca. 88.868km² Kolonialgebiet
  • Bevölkerung: 67,1 Mio (2020) Religion: Christentum (66%), ohne Konfession (28%), kleinere jüdische und islamistische Gruppierungen, andere Glaubensbekenntnisse (Schätzungen, da keine staatliche Erfassung erlaubt)
  • Währung: Euro (EUR), teilw. in Überseegebieten Pazifischer Franc (CFP-Franc, XPF)
  • Nationalfeiertag: 14. Juli (Beginn der Revolution)
  • Staatsform: semi-präsidiale Republik
  • Staatsoberhaupt: Präsident Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron

Buchtipp

Länderbericht Frankreich BPP von Corine Defrance und Ulrich Pfeil (Hrag.)

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