Diskussion im Kreisky-Forum anlässlich 5. Jahrestag der Taliban-Rückkehr – Appell an die Weltöffentlichkeit
von Hermine Schreiberhuber
Die afghanischen Frauen und Mädchen müssen unter der Herrschaft der Taliban „eine systematische Zerstörung ihrer Zukunft“ erdulden. „Sie sind seit 2021 aus dem öffentlichen Leben verbannt.“ Österreichs frühere Justizministerin Alma Zadic fand bei einer Diskussion im Kreisky-Forum, die sich anlässlich des 5. Jahrestags der erneuten Machtübernahme der Taliban mit dem strikten Verbot von Frauenrechten befasste, klare Worte.
Die Grünen-Politikerin zitierte einen Experten, der den Verlust weiblicher Intelligenz anprangerte. Afghanistan sei zu einem „Friedhof für weibliches Wissen“ geworden. Die herrschenden Taliban fürchteten sich vor gebildeten Frauen. Zadic forderte angesichts dieser Geschlechter-Apartheid eine Rückkehr der Mädchen in die Schulen. Die Machthaber müssten zur Verantwortung gezogen werden. „Frauenrechte sind Menschenrechte.“
Die afghanische Botschafterin Maniza Bakthari, die ihr Land in Österreich und bei den in Wien ansässigen internationalen Organisationen vertritt, schilderte die Situation der Frauen in ihrem Heimatland, die von Armut und Ausgrenzung gekennzeichnet sei. Ausdrücklich warnte sie die Weltgemeinschaft davor, die extremistischen Taliban anzuerkennen. Derzeit werden in UNO-Organisationen und westlichen Staaten die Repräsentanten der früheren afganischen Regierung als diplomatische Vertreter anerkannt.
Richard Bennett, Menschenrechtsberichterstatter zur Lage in Afghanistan, sprach von einer „alarmierenden Situation“. In dem Land herrsche eine humanitäre und eine politische Krise. Eine große Zahl von Staaten habe die Taliban nach der Wiederkehr an die Macht verurteilt – doch diese hätten nichts zu fürchten. Die per Zoom zugeschaltete Menschenrechtsaktivistin Horia Mosadiq schilderte den tristen Alltag der Frauen und Mädchen. Sie schloß mit den Worten: „Genug ist genug.“
Edit Schlaffer, Chefin der Frauenrechtsorganisation Women without Borders, forderte mehr Aufmerksamtkeit für das Schicksal der afghanischen Frauen. Es bedürfe im Ausland einer „kontinuierlichen politischen Aktivität“. Schlaffer erinnerte an die humanitären Aktivitäten für die Mädchen hinter den Kulissen im Tailban-Regime, die „in ein Vakuum gedrängt“ wurden. Die Gräueltaten der Taliban und die Lebensumstände der Opfer müssten dokumentiert werden.
Der Diplomat Wolfgang Petrisch, Präsident des Österreichischen Instituts für Internationale Politik, forderte eine kohärente Afghanistan-Politik und eine klare Haltung gegenüber den Taliban. Sowohl die Europäische Union als auch die Vereinten Nationen seien zu wenig aktiv, erklärte der ehemalige Botschafter und Balkan-Experte. Diese seien gefordert, mit den demokratischen Kräften Afghanistans zusammenzuarbeiten. Europa müsse die Aktivitäten der Taliban im Auge behalten.

