Auf dem Sprung in einen neuen Markt

Geschäftsbeziehungen mit Russland sind nicht immer eine einfache Sache. Darum kümmert sich Consultant Sergey Danilin, MBA. SOCIETY sprach mit ihm über die richtige Vorgehensweise bei Investitionen im Osten.
Interview: TANJA TAUCHHAMMER
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Danilin Consulting zu gründen?
Ich bin seit zwanzig Jahren in Österreich und habe durch meine Tätigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen einiges an Know-how sammeln können. Ich weiß, wie die Geschäfte erledigt werden müssen und ich kenne sowohl die österreichische als auch die russische Seite. Mein großer Vorteil sind die Kontakte, über die ich verfüge. In Europa sind diese Dinge wesentlich einfacher als in Russland. In Russland muss man schon die richtigen Personen kennen, um ein Geschäft erfolgreich abschließen und letztendlich langfristig führen zu können. Ich unterstütze ein bereits laufendes Projekt auch gerne durchgehend und selbstverständlich nur persönlich und praktisch rund um die Uhr.
Welche Leistungen können Sie Ihren Kunden anbieten?
Ich mache für meine Kunden (besser gesagt Partner) alles, wo mein Know-How gebraucht wird. Meine Arbeit wird auf den Kunden und seine Bedürfnisse zugeschnitten. Ich verknüpfe Partner in Russland, die für ein gewisses Projekt von Interesse sind. Es kommt manchmal vor, dass jemand in Österreich eine Idee für ein Geschäft hat, doch es fehlen ihm die nötigen Connections. Durch meine Kontakte, die ich in meiner langjährigen Tätigkeit in den Bereichen Import und Export sowie im Investitionsbereich aufbauen konnte, sorge ich dafür, dass der österreichische Partner die richtigen Leute kennen lernt und seine Ideen in Russland umsetzen kann. Ich bin dann vor Ort und stelle sicher, dass der österreichische Unternehmer bekommt, was er benötigt. Bei Fragen und Problemen in der russischen Geschäftswelt bin ich eine universelle Anlaufstelle. Denn ohne Unterstützung vor Ort ist es teilweise recht schwierig. Da komme ich ins Spiel, unterstütze und vermittle zwischen den einzelnen Geschäftspartnern.
Wo liegt, Ihrer Meinung nach, der Unterschied zwischen der österreichischen und russischen Geschäftswelt?
Da in den letzten Jahrzehnten Westeuropa keine großen sozialen Krisen erlebt hat, sind die Geschäftsmodelle hier ziemlich traditionell, stabil und durchsichtig. Die Spielregeln sind gesetzlich festgelegt, die Leute sind höchst diszipliniert. Hier bedeutet „ja“ ein Ja und „nein“ ein Nein. Heutige Geschäftsleute in Russland sind im Gegensatz zu ihren Kollegen in Europa durch unglaubliche politische, soziale und wirtschaftliche Krisen gegangen. Nur zum Nachdenken: Stellen Sie sich vor, dass von heute auf morgen ohne irgendeine Ankündigung seitens der Regierung die gesamten Geldersparnisse der 120 Millionen Russen 99 Prozent ihres Wertes verlieren. Gestern waren Sie noch ziemlich wohlhabend, konnten sich ein Auto oder ein kleines Ferienhaus leisten, und heute gehen sich für dieses Geld nur die notwendigsten Lebensmittel für einen Monat aus. Wie werden Sie Ihr Leben organisieren? Wie schaffen Sie es, Ihre Motivation aufrecht zu erhalten? Wir alle (ich zähle mich selbstverständlich auch dazu) haben es doch geschafft, und Russland zeigt heute sehr beeindruckende wirtschaftliche Ergebnisse. Wir schauen sehr optimistisch in die Zukunft. Wir sind mit den Lebensumständen gewachsen, die von uns immer kreative Lösungen verlangt haben. Wie organisieren Sie ein Projekt, wenn die Steuern 100 Prozent Ihres Rohgewinns betragen? Wie starten Sie eine Produktionslinie innerhalb von drei Monaten, wo Sie Genehmigung von mehr als 120 behördlichen Stellen brauchen? Wie führen Sie Ihr Geschäft auf eine Straße oder in einem Bezirk, wo auch bestimmte „inoffizielle“ Regelungen gelten und entsprechende Führungspersonen viel mehr als zuständige Behörden zu sagen haben? Aufgrund von solchen bestandenen Lebensprüfungen haben die meisten Landsmänner ihre eigenen Vorstellungen, wie ein Geschäft abgewickelt werden muss.
Sie schlagen eine Brücke zur „russischen Seele“?
Es wurde und wird noch immer viel über die geheimnisvolle „russische Seele“ gesprochen. Eine Seele wächst durch Schwierigkeiten und Lebensprüfungen. Sie werden jetzt viel besser verstehen, warum erfolgreiche Besprechungen und Vertragsunterzeichnungen in Russland nicht in großen Besprechungsräumen nach stundenlangen, mühsamen Sitzungen, sondern oft in Saunas nach gemeinsam ausgetrunkenen zwei bis drei Flaschen Wodka zustande kommen.
CURRICULUM VITAE
Sergey Danilin ist am 9. Februar 1972 in Moskau geboren. Er studierte Lasertechnik, Finanzmanagement und Sozialplanung in Moskau. Zwischen 2003 und 2007 absolvierte er das „Executive MBA“-Programm an der IMADEC University in Wien. Er arbeitete bei der NORDEX Group, war Vorstandsmitglied bei der Bank „Garant-Invest“, Projektleiter bei ONAKO-Trading, Geschäftsführer bei SIBUR-Trading, einer Partnerfirma der Gazprom-Gruppe und ist seit 2007 selbstständiger Investorenberater. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


