Grüne Energie und Almdudler

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SOCIETY sprach mit Botschafterin I.E. Silvia Davidoiu über Rumäniens Stellung zur EU, den Wachstumsmarkt der erneuerbaren Energien und ihre Vorliebe für Almdudler.

Interview TANJA TAUCHHAMMER

Welche Ziele haben Sie sich mit Ihrem Amtsantritt 2009 gesetzt?

Als ich mein Amt hier in Wien übernommen habe, waren die Beziehungen unserer Länder schon weit vorangeschritten. Leider kam genau zu diesem Zeitpunkt die Krise und wir mussten unsere Ziele etwas verändern. Uns war wichtig, das Vertrauen unserer österreichischen Partner zu behalten. Die Banken und Firmen sollten die Geschäfte weitermachen. Zu meinem Glück kam der rumänische Präsident damals zu Besuch nach Österreich. Das war schon ein besonderes Ereignis und ein toller Start für mich. Es war ja eine sehr empfindliche Zeit damals, doch die österreichischen Partnerfirmen haben uns nicht verlassen.

In welchen politischen Bereichen arbeiten Rumänien und Österreich internationaleng zusammen?

Rumänien und Österreich haben viele gemeinsame Interessen, sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene. Von besonderer Bedeutung sind die ThemenDonau, Schwarzes Meer, Energie, Westbalkan oder unsere gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen. Einer der wichtigsten gemeinsamen Erfolge war die seitens der Europäischen Kommission angenommene EU Strategie für den Donauraum, eine vor zwei Jahren gemeinsam gestartete Initiative. Weiter entlang der Donau und zum Hafen Constanta ist das Schwarze Meer ein sehr wichtiges Thema für Rumänien, wovon auch Österreich profitieren kann. Rumänien kann als „Sprungbrett“ für Österreich in die SüdkaukasusRegion gelten, da das Interesse von Österreich für diese Region in der letzten Periode gestiegen ist. Es ist wichtig, dass Rumänien, zusammenmit Österreich, diese Region in den Vordergrund der europäischen Debatte bringt und auf die Notwendigkeit einer EU Strategie hindeutet. Das Schwarze Meer ist immer wichtiger auch in Energiefragen – Nabucco, AGR Ioder auch andere Energieprojekte durchqueren diese Region. Für die Energiesicherheit Europas ist das Schwarze Meer ein sehr wichtiger Punkt. Die Erweiterung der EU mit den Staatendes Westbalkans gilt als Priorität für unsere Regierungen, und die Entwicklungen innerhalb der Östlichen Partnerschaft betrachten unsere beiden Länder mit großem Interesse. Der Demokratisierungsprozess und die Modernisierung der RepublikMoldau werden mit österreichischen undrumänischen Geldern gefördert. Die Republik Moldau hat in den letzten Jahren ihren „Appetit“ für Reformen wieder gefunden und scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Rumänien arbeitet eng mit Österreichauch auf multilateraler Ebene – UNO und OSZE. Rumänien hat mit großem Interesse die Aktivität Österreichs als nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Periode 20092010) verfolgt und hat alle Initiativen begrüßt. Außerdem werden oft bilaterale Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung von Kandidaturen getroffen.

Seit der Wende 1989 kann Rumänien auf Erfolge zurückblicken, besonders die Beitritte zur NATO (2004) und der EU (2007). Der Beitritt zum Schengener Abkommen gestaltet sich ein wenig schwieriger. Der Beitritt zum Euro ist erst in einigen Jahren vorgesehen. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation Rumäniens in der EU?

Man sollte nicht den Fehler machen, Rumäniens Mitgliedschaft in der Familie der EU nur durch den Schengenbeitritt zu analysieren. Die EU befindet sich zu diesem Zeitpunkt vor großen Herausforderungen. Um diese schwierigen Zeiten zu „überleben“, sollte man sich an einem der EU Grundwerte sehr fest anhalten. Wie Sie vielleicht schon erraten haben, meine ich damit die Solidarität. Die Geschichteder EU zeigt den klaren Beweis, dass wir nach jeder Krise zusammen als Mitgliedstaaten und im ganzen als Union bessergerüstet wurden. Eigentlich sollte man nicht populistische Aussagen in nationale, politische Debatten einführen. Das Resultat des letzten Rates für Justiz und Inneres hat leider nicht unsere Erwartungen erfüllt, trotzdem bleiben wir optimistisch, dass eine richtige Entscheidung in der nächsten Periode getroffen wird. Wie Sie vielleicht wissen, hat der Bericht der Europäischen Kommission betont, dass die Bemühungen der rumänischen Behörden im Kampf gegen die Korruption in einer großen Anzahlder Fälle mit entsprechenden gerichtlichen Urteilen finalisiert werden konnten. Die positiven Fortschritte, die der Bericht der Europäischen Kommission hervorhebt, beweisen eindeutig die Tatsache, dass die restriktive Position einiger Mitgliedstaaten zu Rumäniens Schengen Beitritt als grund- und gegenstandslos zu bewerten ist. Seit unserem EU Beitritt haben wir uns bemüht, unser Image als vertrauenswürdiger Partner durch die getroffenen Maßnahmen, sowohl in Rumänien als auch auf europäischer Ebene, zu entwickeln. Die guten Beziehungen zwischen uns und unseren europäischen Partner spiegeln dies wider. Deswegen sind wir überzeugt, dass die EU Präsidentschaft zusammen mit den „skeptischen Mitgliedstaaten“ eine europäische Lösung, betreffend unseres Schengenbeitritts, treffen werden. Die Wirtschaftskrise hat Rumänien ab Ende 2009 hart getroffen, aber die strengen Sparmaßnahmen, die unsere Regierung beschlossen hat, erreichten das Ziel, neues Wachstum zu ermöglichen. Die schweren Zeiten sind noch nicht vorbei, das bedeutet weitere Arbeit, um andere negative Effekte zu vermeiden. Unser Präsident hat klar betont, dass der Euro weiter eine Priorität der rumänischen Regierung bleibt.

Rumänien hat ein großes Potential für erneuerbare Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne. Wie sieht die Zukunft der rumänischen Energiegewinnung aus? Wie ist die Situation derzeit?

Rumänien hat sich gegenüber der EU verpflichtet, im Jahr 2020 24 Prozent seiner Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu produzieren, aber als Ziel 38Prozent gesetzt. Schon im Jahr 2010 bezifferte sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bei 35 Prozent oder20,2 Terrawattstunden – daraus 74 Prozent Wasserkraft, 22 Prozent Windkraftund 4 Prozent Biomasse. Das Potential der Wasserkraft steht außer Frage – die großen Donauwasserkraftwerke, Wasserkraftwerke an anderen Flüssen wie Olt oder Arges, aber auch das riesige Potential von KleinWasserkraftwerken hat in den letzten Jahren viele Investoren angezogen. Zum Beispiel ist Wienstrom GmbH der größte Käufer von KleinWasserkraftwerken (27Einheiten) die vom rumänischen Staat2008 privatisiert wurden. Außerdem, parallel zur Entwicklung der Windkraftprojekte und sehr wichtig für die Speicherung von elektrischer Energie und Reglung des Stromnetzes, rückt das schon lang geplante Pumpspeicherkraftwerkprojekt Tarnita Lapusesti immer mehr in den Vordergrund. Wir reden hier über ein Kraftwerk mit einer Leistung von 1000 MW bei einer Investition von über einer Milliarde Euro. Außer der Wasserkraft hat die Windkraft in den letzten zwei Jahren sehr große Projekte nach Rumänien angezogen. Die Investoren sind an dem riesigen Windkraftpotential von Rumänien interessiert, nachdem wichtige Studien die Dobrudscha Region als „windgünstigste“ Region in Süd Ost Europa und zweitgünstigste europaweit bezeichnet haben.

Wie groß ist das Potential für Windkraft?

Es wird gesagt, dass drei Viertel der Investoren aus Rumänien sich für energiebezogene Projekte interessieren, hauptsächlich Stromerzeugung aus Windkraft. Es gibt Schätzungen, die das Gesamtinvestitionsvolumen in Windkraft auf fünf Milliarden Euro beziffern. Es gibt Berechnungen, die die installierte Leistung für Windanlangen am Ende des Jahres 2011 bei 1000 MW schätzen und im Jahr 2020 auf 5000 MW. Die Anzahl aller Windkraftprojekte, über die man verhandelt (nur wenige haben Bewilligungen erhalten), würde eine Leistung von 30000 MW mitbringen.

Wie hoch sind die getätigten Investitionen?

Viele Unternehmen die in der Windkraft tätig sind, investieren erhebliche Summen in rumänische Projekte. Einer der ambitioniertesten Akteure ist die tschechische CEZ mit einer Gesamtinvestition von 1,1 Milliarden Euro. In den Dörfern Cogealac und Fântânele baut die Firma den bisher größten onshore Windpark Europas: laut Plan sollen 240Anlagen installiert werden, 120 davonsind bereits ans Netz gegangen. Die Vertreter von CEZ verkünden, dass sie so viel Strom produzieren werden, wie ein Reaktor des Atomkraftwerks in Cernavoda. Wenn alle Projekte verwirklicht werden, könnte die Windkraft in zwei bis dreiJahren die Kernkraft überholen. Auch der weltweite Marktführer Iberdrola Renovables kündigte dieses Jahr den Baustart für seinen ersten Dobrudscha Windpark an. Bis 2017 ist der Baufünfzig weiterer Projekte vorgesehen. Mit einer Gesamtkapazität von 1500 MW soll der Komplex den Energiebedarf von mehr als einer Million Haushalte decken. Die portugiesische Firma EDP Renovaveis und die Enel Green Power, Tochterfirma des größten italienischen Stromversorgers Enel, gelten ebenfalls als wichtige Akteure auf dem rumänischen Windenergiemarkt. Auch österreichische Unternehmen wie der Verbund haben schon Interesse an diesem Sektor gezeigt. Alle involvierten Unternehmen in erneuerbare Energiebezogene Projekte haben diesen Sommer eine gute Nachrichterhalten – nachdem die rumänischen Behörden die endgültige Fassung des Fördersystems für die Stromerzeugung auserneuerbaren Energiequellen nach Brüssel geschickt haben, wurde diese bewilligt und in die rumänische Gesetzgebung aufgenommen, sodass die Stromerzeuger bereits grüne Zertifikate erteilt bekommen.

Und wie sieht es bei der Sonnenenergieaus?

Die Sonnenenergie wird in der nächsten Zeit für private Haushalte immer mehr an Bedeutung gewinnen, da diese Form von erneuerbare Energie auch durch staatliche Mittel stark gefördert wird.

Österreich zählt zu den größten Direktinvestoren in Rumänien. Worauf führenSie das zurück? Wie wird die zukünftige Entwicklung verlaufen?

Auslandsinvestitionen spielen eine immer wichtigere Rolle in der Zusammenarbeit zwischen Rumänien und Österreich. Die österreichischen Direktinvestitionen in Rumänien betragen insgesamt zehn Milliarden Euro, 18 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens (2.Stelle nach den Niederlanden  gemäß anderen Statistiken sogar auf dem ersten Platz). Zurzeit gibt es in Rumänien fast6.000 Unternehmen (3,5 Prozent der Gesamtzahl) mit österreichischem Kapitalund über 1.000 aktive Investoren. Fast 100.000 direkte Arbeitnehmer sind bei österreichischen Unternehmen in Rumänien beschäftigt. Allein die im mehrheitlichen Besitz der OMV befindlichen Petrom beschäftigt über 25.000 Personen. Rumänien ist in der Region Zentralund Osteuropa neben Tschechien das bedeutendste Zielland österreichischer Investitionen. Österreich ist nicht nur durch die schon weltweit bekannten Erfolgsgeschichten von Erste Group und OMV in Rumänien als Investor tätig, sondern hat einen führenden Marktanteilim Finanz und Versicherungswesen. Die Raiffeisenbank hat schon 2001 die rumänische Banca Agricola übernommen und die VIG hat über 150 Millionen Euro in Asirom investiert. Außerdem sind die österreichischen Unternehmen sehr stark in Sektoren wie Immobilien, Baumaterialien, Holzverarbeitung, Zucker, Verpackungen u.a. involviert, die meisten davon Klein undMittelbetriebe. Namen wie Baumit, Egger, Kika, Porsche, Baumax oder voestalpine sagen Ihnen sicher etwas!

Wie wird die zukünftige Entwicklung verlaufen?

Für österreichische Unternehmen bestehen derzeit in Rumänien eine Unzahl von Chancen in nahezu allen Branchen. Ein wesentliches Argument ist die immer größere Rolle, die der Dienstleistungssektor und die Industrie in der BIP Entstehung haben werden. Schon2009 und 2010 war der Anteil dieser zwei Sektoren ungefähr 85 Prozent. Außerdem ist das enorme Potenzial von den Vorteilen in Bereichen wie Marktgröße, gute Ausbildung, Offenheit für Österreich, Flattax und die anderen die ich früher erwähnt habe gegeben. Zu den Trendbranchen der nächsten Jahre zählen sicherlich die Umwelttechnologien, Alternativenergie, Transportinfrastruktur, Industriezulieferungen, Landwirtschaft/biologische Landwirtschaft und IT. Viele dieser Branchen sind heute hier vertreten, was meine Aussage noch verstärkt. Der rumänische Markt für erneuerbare Energien bietet im Vergleich zu anderen Ländern der Region ein enormes Potenzial insbesondere im Wind und Sonnenbereich und in der Wasserkraft. Die Investition vom Verbund im Bereich Wind und das große Engagement von Andritz und Voith Hydro im Wasserkraftsektor sprechen dafür. Österreichische Unternehmen sollen bei ihrem Engagement in Rumänienauch auf mögliche EU Förderungen achten, die nicht genügend ausgeschöpft werden. Alleine für den Zeitraum 2007bis 2013 hat die Europäische Union rund30 Milliarden Euro an Fördergeldern für Rumänien reserviert, die abgeholt werden müssen. Auch das neue Gesetz, das PPP  Projekte fördert, bietet eine wesentliche Unterstützung für interessierte Investoren.

Wie groß ist die rumänische Gemeindein Österreich und wie aktiv ist sie wirtschaftlich und kulturell?

Laut Integrationsbericht zählt die rumänische Gemeinde in Österreich 68.000Personen. Die rumänische Gemeinschaftin Österreich organisiert häufig kulturelle Veranstaltungen, bei denen vor allem Volksmusiksänger aus Rumänien herzlich eingeladen sind. Besonders zu betonen sind die kulturellen Veranstaltungen, die die Botschaft häufig organisiert, wie Konzerte oder Projektionen rumänischer Filme, bei denen sowohl Vertreterder rumänischen Gemeinschaft, als auch österreichische Staatsbürger, teilnehmen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Bei schönem Wetter unternehme ich gerne mit meiner Familie gerne Ausflüge in die Natur. Letztens waren wir auf der Riegersburg. Ich wohne in Döbling und gehe gerne in Neustift am Walde in kleine, intime Restaurants. Und ich liebe Almdudler! Ich muss der Zentrale auf der Döblinger Hauptstraße einen Briefschreiben, um ihnen zu sagen, dass ich ein großer Fan bin.

CURRICULUM VITAE

Silvia Davidoiu wurde am 30. März 1967 in Bukarest geboren. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Ihre Ausbildung begann sie an der Wissenschaftsakademie, Fakultät für Handelsbeziehungen. Danach folgte eine postuniversitäre Weiterbildung am Institut für Politikwissenschaft und internationale Beziehungen, ein Masterstudium an der Universität Limerick sowie ein Fortbildungskurs für Diplomaten am Außenamt Bonn/Berlin. Seit 1992 ist sie für das Außenministerium von Rumänientätig, unter anderem als Erste Sekretärin in der Botschaft von Rumänien in Bonn/Berlin von 19972001. Von 2002 –2004 war sie als Botschaftsrätin im Außenministerium von Rumänien in Bukarest tätig. 2004 – 2008 war sie als Botschafterin Irland tätig, bevor sie 2009 in die Rumänische Botschaft in Wien kam.